Männer trinken Old Fashioned? Frauen auch

Schon vor Mad Men galt der Old Fashioned aufgrund seiner Schnörkellosigkeit und seines hohen Alkoholgehalts als Männergetränk. Zeit, mit einem weiteren Geschlechtervorurteil aufzuräumen. Auch Frauen finden Gefallen an dem Whiskey-Cocktail. In Cihan Anadoluglus Münchner Bar Circle arbeiten nur weibliche Bartender. Wenn sie Old Fashioned mixen, dann gerne eine japanisch inspirierte Abwandlung. Das Rezept habe ich für Zeit Online aufgeschrieben.

Butter bei die Brote

Am Ende des Tages willst Du ein Butterbrot haben, bestenfalls geschmiert von einem lieben Mensch. Warum Butter nicht gleich Butter ist und manche sie im Wald vergraben, habe ich für die FAZ Woche aufgeschrieben.

Hier also bin ich

Später Winter in Sonoma County: spanische Makrele mit Rettich und Rhabarber, Wasabi-marinierte Austern aus Half Moon Bay, Schnapper aus Japan mit eingelegten Salzpflaumen, kalifornischer Taschenkrebs mit Seegrasgelee und Karotten mit grünem-Knoblauch-Tofu. Der japanische Begriff für diese Einstimmung auf ein stundenlanges Menü heißt sakizu keund bedeutet: Hier also bist du.

Für die Welt am Sonntag habe ich über das Single Thread geschrieben, eines der beeindruckendsten Restaurantkonzepte Amerikas. Es verbindet japanisches Kaiseki mit kalifornischem Farm-to-Table. Die Samen des Wasabi-Rucola, eines von vielen Gastgeschenken, gedeihen inzwischen prächtig auf meinem Balkon.

Eigentlich wollen sie nur vögeln

Eigentlich ist das Un-Wort unserer Zeit. Wir benutzen es ständig, meist ohne Sinn und Verstand. Es schafft Distanz zu Dingen, die wir ohne nicht aushalten würden. Die in Wien lebende Autorin Teresa Dopler widmet diesem Wort, das ein Lebensgefühl ist, ein ganzes Stück. Eigentlich sind Ruth und Ivan seit Jahren getrennt, eigentlich waren sie total schnell darüber hinweg, eigentlich lieben sie ihre No-Work-Life-Balance-Jobs sehr, eigentlich sind die neuen Partner doch total nett. Plötzlich jedoch ist da Verlangen und die Fantasie jenes weißen Dorfs, das dem Stück seinen Titel gibt. Für Nachtkritik habe ich beschrieben, warum es so tieftraurig ist, obwohl die ganze Zeit gelacht wird. Eigentlich.

“Kunst ist nicht für Kompromisse zuständig”

… sagt Professor Dr. Elisabeth Paefgen im Fluter-Interview über das umstrittene Gedicht “Avenidas” an der Berliner Alice Salomon Hochschule. Auf die Frage, ob es vielleicht einfach weniger Gedichte brauche im öffentlichen Raum, antwortet Paefgen: “Doch! Unbedingt! Ganz viele! Bloß Köhlers Gedicht gehört nicht dorthin, weil es voraussetzt, dass man den Diskurs kennt. Ich bin froh, dass es in fünf Jahren wieder übermalt wird.”

Das Gegenteil von Durst

Im Winter setzt Berlin, dieser preußische Offizier, seine Pistole auf deine Brust und schreit „trink!“ Ich hab mich widersetzt und für die Welt einen Text über Leslie Jamisons wunderbares Buch “Die Klarheit” und meinen ganz persönlichen nüchternen Januar geschrieben.

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I would prefer not to (maybe)

Boy meets Girl… und schon fangen die Probleme an. Wie schmal der Grat ist zwischen Ja, Nein und Jein, hat die MeToo-Debatte gezeigt, und sie zeigt es noch immer. Kristen Roupenians im New Yorker veröffentlichte Kurzgeschichte “Cat Person” brachte die Sache auf den Punkt: Ein Mann will Sex, eine Frau nicht unbedingt, lässt es aber geschehen, weil sie fürchtet, es könnte sonst wirken, als lasse sie im Restaurant ein bestelltes Gericht zurückgehen. Solche Ereignisse, geschehen täglich tausendfach, überall auf der Welt. “Cat Person” war der am zweithäufigsten angeklickte Online-Text des vergangenen Jahres. Jetzt ist Roupenians gleichnamiger Kurzgeschichtenband erschienen, eine Sammlung kleiner und riesengroßer Gemeinheiten, den ich für Zeit Online gelesen habe.

Ich habe Hunger, Hunger, Hunger, habe Durst

Was ich an Williams’ Gedicht nicht verstehe: Was haben Pflaumen im Kühlschrank zu suchen und welche Art Frühstück soll sich daraus ergeben? Ich tippe auf eine Smoothie Bowl oder Kokos-Speckwaffeln mit glasierten Haselnüssen und Pflaumenrelish.

Für das Logbuch Suhrkamp war ich bei der ersten Ausgabe der vom Literaturkollektiv kaboom ausgerichteten Reihe A Poem for Dinner, deren Konzept ich nicht ganz verstanden habe. C. war auch dabei.

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Ich habe heute leider ganz viele Karten für Dich

Es gibt solche Theaterabende, da könnte man hinterher eine Therapiesitzung gut gebrauchen.

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Okay, das könnte ich sein. Bin ich deswegen ein boshafter Charakter? Das jedenfalls bescheinigte mir die Performance “Total Therapy”, die im Rahmen des Festivals “Save your Soul” an den Sophiensaelen gezeigt wurde. Obwohl ich mich in Durchgangszimmer einquartierte und beim Flirten niemals Eisbonbons verteilte, wanderten immer mehr Boshaftigkeitskarten in meinen Kartenhalter. Am zweiten Abend wurde ich dafür umso netter umsorgt von einem Care Boy, der meinen Boyfriend spielte. Wir haben sogar die Zeche geprellt, für ein bisschen Bonny und Clyde. Knutschen wollte ich trotzdem nicht. Der Rest steht bei Nachtkritik.

 

Endlich ich

Einatmen, ausatmen, Brunnenkresse-Birnen-Fenchel-Saft trinken und jeden Morgen eine „superschnelle Dankbarkeitsliste“. Ob es das ist, was Michel Foucault mit le souci de soi, der „Sorge um sich“, meinte? Fest steht, dass Self-Care das neue Lagom ist. Von beidem nie gehört? Dann wird es Zeit für die Lieblingskuscheldecke, für ätherische Öle ohne Duftzusatz und ganz viel Ego. Was nicht heißen soll, dass dann keine Zeit mehr für andere bleibt. Sagen jedenfalls Nadia Narain und Katia Narain Phillips, deren Buch ich für die Welt gelesen habe.

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Nein heißt manchmal alles Mögliche

Nun jährt sich die #metoo-Debatte. Erwartungsgemäß arbeitet eine Vielzahl von Romanen und Sachbüchern das Thema auf. Lesenswert ist Bettina Wilperts “Nichts, was uns passiert”, das ich für den Fluter besprochen habe. Das Erstaunliche an diesem literarischen Debut ist, neben seiner klugen Uneindeutigkeit und der nüchternen Erzählhaltung eines beteiligten Beobachters, dass Wilpert es geschrieben hat, noch bevor Weinstein zum Synonym für ich-nehme-mir-was-ich-will-Frauen-sowieso wurde. Dass diese Frauen allerdings nicht immer Opfer sind und Männer nicht immer Täter, wussten wir ja bereits.

Alle mal herhören, ich kriege gerade einen ANRUF rein

In Sachen Lärmbelästigung bin ich Wutbürgerin. Kann mir jemand erklären, warum Leute ihr Telefon nicht lautlos schalten? Oder schlimmstenfalls gar nicht wissen, wie das geht? Müssen sie der Welt zeigen, dass es sie gibt? Wollen sie, dass jemand ihre Klingeltöne analysiert, wie das meine liebe Freundin Sophia getan hat? Für die Welt habe ich mich in Versalien ausgelassen über ein furchtbares Phänomen unserer Zeit. Schon Sartre hatte die anderen im Sinn, als er an die Hölle dachte, und das war lange vor der Einführung des Motorola International 3200.

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Nach München!

In politischer Hinsicht macht die bayerische Hauptstadt wenig Spaß, umso mehr dafür, wenn es um Theater geht. Keine Spielzeitvorschau wirkt vielversprechender als die der Münchner Kammerspiele. Rimini Protokoll, Ersan Mondtag (mit dem ich in Kreuzberg Kaffee trinken war), Christopher Rüping (mit dem ich im Auftrag der Welt geskypt habe) und Susanne Kennedy (auch sie habe ich für die Welt porträtiert) zeigen dort neue Arbeiten. Auch toll: eine Faust-Interpretation in Anlehnung an Yung Hurn. Was uns Theaterzuschauern in den nächsten Monaten noch so alles bevorsteht, habe ich für Traffic News To Go aufgeschrieben.

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Cunnies googeln

Die Hölle ist los, wenn deutsche Inszenierungen nicht englisch übertitelt werden. Umgekehrt passiert nichts. Hätte ich den Text vorher nicht gelesen (journalistische Ehrensache), mir wäre wohl vieles entgangen an diesem Tanzabend im Deutschen Theater, auch Lustiges. Ziemlich sicher wussten nicht alle im durchschnittlich fünfundvierzig Jahre alten Publikum, was der Slangbegriff cunny bedeutet. Das Urban Dictionary klärt auf. Bei Nachtkritik steht, was ich sonst so hielt vom beim Berliner Tanz im August aufgeführten “17c”.

Für mich nur Wasser

Dieser Satz aus meinem Mund? Ja, wenn Detox-Dienstag ist. An einem solchen habe ich Sebastian Mergel getroffen, der in Berlin die Bierfabrik betreibt. Für seinen Podcast “Auf ein Bier mit” haben wir über Metoo, Wein ohne Schwefel und Gründe des Zuspätkommens (die bei mir eigentlich immer etwas mit Essen zu tun haben) gesprochen. Als Dankeschön gab es zwei Flaschen fassgereiftes Sauerbier. Normalerweise mag ich Bier nicht so gerne, aber diesem gebe ich eine Chance. Versprochen, Sebastian.

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Eh immer noch in Wien verliebt

In Wien riecht es überall nach Mehlspeisen, sogar im U-Bahnschacht. Pferde ziehen Kutschen und koten kaum, H&M-Filialen sehen aus wie Jungendstilvillen. Man empfängt den besten Radiosender der Welt. Es regnet praktisch nie! Zwar ist Yung Hurn weggezogen, dafür der Nino aus Wien dageblieben. Das Burgenland ist nah, die Weinberge auch und der Wiener Alpenbogen, falls man wirklich mal klettern will. Die ausgesprochen hässliche, von Hundertwasser gestaltete Müllverbrennungsanlage in Spittelau kann man ja meiden. Trends brauchen zwei Jahre länger als in Berlin, alle haben Zeit zu verplempern und meinen es eigentlich immer ernst, sogar bei Tinder.

Für Zeit Online habe ich meiner Wiensehnsucht freien Lauf gelassen. 

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Männer, die Fische kaufen

… kehren, ähnlich wie vom Zigarettenkauf, selten zurück. Das ist eine der vielen Moralen von Berthold Brechts Stück “Mann ist Mann”. Am Berliner Ensemble dient es als lose Rahmenhandlung für eine Werkstattinszenierung des Künstlers Olaf Nicolai, wobei Werkstatt wörtlich zu verstehen ist, denn Schauplatz ist ein KFZ-Betrieb am Prenzlauer Berg. Was ich bei “Brecht in der Autowerkstatt” gesehen und vor allem gerochen habe, steht in der Welt.

Fummeln wäre das Größte

Susanne Kennedy gehört für mich zu den interessantesten Regisseurinnen der Gegenwart. Nicht alles, was ich sah, mochte ich – schlimm etwa sind meine Erinnerungen an ihr niemals enden wollendes, an der Volksbühne gezeigtes Stück “Women in trouble” – aber Theater ist, finde ich, auch nicht dazu da, gemocht zu werden. Für Die Welt habe ich die gebürtige Friedrichshafenerin bereits vergangenes Jahr bei den Proben zu ihrem Stück “Die Selbstmord-Schwestern” an den Münchner Kammerspielen besucht. Jetzt wird das Stück bei den Wiener Festwochen gezeigt und ich hatte die Ehre, den Text für den Programmzettel schreiben zu dürfen.

“Vom männlichen Blick ist ja auch die Geschichte der Lisbon-Schwestern dominiert. Ihr Freitod ist ein Triumph über ein bigottes Elternhaus, eine der weiblichen Lust feindselig gestimmten Gesellschaft und vor allem den Besitzanspruch jener Nachbarsjungen, die tagein, tagaus von Lieblingsgerichten mit Fischaromen fabulieren. Fummeln wäre das Größte.”

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Man spricht Deutsch

Dea Loher hat nichts mit dem am Hut, was am Theater gerade so trendet. Keine Postdramatik, keine ironischen Textflächen, kein Geschlechtertohuwabohu, außerdem spricht man Deutsch.  Den Begriff politisches Theater findet sie “scheiße”. Trotzdem – oder gerade deswegen – kommt ihre Arbeit sehr, sehr gut an. Für Die Welt habe ich mit der mistgespielten deutschen Dramatikerin ein E-Mailgespräch geführt.

Liebe Deine Krise

“Meine Generation fragt sich, was das ist: Leben. Abgesehen davon eint sie eine Sehnsucht nach einer bürgerlichen Existenz, dem, was Sargnagel mit ‘Schrankwand’ meint. Man rebelliert gegen diese Spießigkeit und bedauert gleichzeitig die eigene Haltlosigkeit.”

Für das Festival Radikal jung am Münchner Volkstheater habe ich mit der tollen Regisseurin Christina Tscharyiski über unsere kleinen Krisen, ihre großen Erfolge – zum Beispiel das von Stefanie-Sargnagel-Texten inspirierte “Ja, eh! Beisl, Bier und Bachmannpreis”, das ich für die Welt besprochen habe – und die nachlassende Grantigkeit Wiener Kaffeehauskellner geplaudert. Und Wien. Ach, die Tschocherln! Ach, der Grind!

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Gut gelaunt? Heute schon

Kritiker sind von Natur aus grummlig und haben immer was zu meckern? Stimmt nicht. Entgegen der allgemeinen Meinung – der Schauspieler Fabian Hinrichs bekannte, sein Mitleid mit den Schauspielern sei groß, er habe viele Aufführungen vorzeitig verlassen und überhaupt sehr gelitten – hat mir die 55. Ausgabe gut gefallen. Wie viel Spaß Theater machen kann, fällt einem ja erst auf, wenn man mal welchen hat.

Zum Abschluss habe ich mich mit Janis El-Bira für den Theatertreffenblog zurückerinnert an einstürzende Bühnenneubauten (Christopher Rüpings “Trommeln in der Nacht”), Erbsenzähler vor dem Herrn (Ulrich Rasches “Woyzeck”) und ganz kurz auch an Joachim Meyerhoffs fotokopiertes Geschlechtsteil, weswegen ich mit Recht behaupten kann, einmal in einem Podcast das Wort “Penis” untergebracht zu haben.

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Kann denn Frausein Sünde sein?

Ein kleines, feines Buch, das mir sehr am Herzen liegt: Für Zeit Online habe ich Connie Palmens “Sünde der Frau” besprochen, in dem die Autorin die beängstigende These vertritt, dass weibliche Genies von unserer patriarchalen Gesellschaft zur Selbstzerstörung genötigt werden. Man kann nur hoffen, dass Palmen irrt. Und nicht oft genug dagegen anschreiben.

Fuck you, dann spiele ich Onkel Wanja eben mit Tränen in den Augen

Was macht man, wenn das Publikum an allem, was man tut, etwas auszusetzen hat? Auch und hauptsächlich, weil ihm nicht-heteronormative Körperbilder nicht gefallen? Und Akzente, die nicht nach AfD-Deutsch klingen? Man denkt Fuck you, richtet sein Krönchen und geht weiter seinen eigenen Weg. Dieser Weg hat Benny Claessen an viele große Theater geführt, er arbeitet mit den wichtigsten Regisseuren der Gegenwart zusammen. Beim diesjährigen Theatertreffen ist er zum dritten Mal dabei, mit einer unglaublichen, unglaublich überdrehten und mit dreieinhalb Stunden nicht einer Schnappatmung zu kurzen Inszenierung von Elfriede Jelineks “Am Königsweg”.

Für die Jubiläumsausgabe des Theatertreffenblogs habe ich den Schauspieler mit der beeindruckenden Mischung aus Verletzlichkeit und Don’t give a shit-Attitüde auf einen Cappuccino im Kreuzberger Café Südblock getroffen. Es ging um jemenitische Girlbands, missglückte Tätowierungen und einen Bruder, der Lieder über weibliche Hintern singt.

Fleckenfreies Kunstblut

Letztes Jahr hatte ich das Glück, an den Münchner Kammerspielen einen ganz und gar ungewöhnlichen “Hamlet” zu sehen. Wir saßen in der zweiten Reihe – oder war es die erste? – also nicht weit genug hinten, um vom Kunstblut verschont zu bleiben. Und ja, es fließt, tropft und spritzt viel Kunstblut in dieser Inszenierung, die Süddeutsche Zeitung spricht von 240 Litern. Nach dem Stück kamen wir mit einer Bühnenmitarbeiterin ins Gespräch – oder war es die Requisiteurin Dagmar Dudzinski persönlich? – die mit ein bisschen Wasser sämtliche Flecke aus unserer Kleidung entfernte. Ich fand ja, dass das Kunstblut nach Lebkuchen roch, tatsächlich basiert das Spezialrezept auf Roter Bete. Anlässlich des Berliner Theatertreffens durfte ich nun den Regisseur der “Hamlet”-Inszenierung für die Welt porträtieren. Bei der Vorabrecherche bin ich auf einen meiner eigenen Texte gestoßen, in dem eine frühere Inszenierung von Christopher Rüping nicht ganz so gut wegkommt. Seine “Trommeln in der Nacht” hingegen mochte ich wieder. So ist das bei einem Künstler, der sich für jede Arbeit neu erfindet.

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Rote-Bete-Massaker: die Bühne der Münchner Kammerspiele nach Christopher Rüpings “Hamlet”-Inszenierung

Theater, das die Welt braucht

Auch dieses Jahr versammelt das Berliner Theatertreffen die zehn bemerkenswertesten Inszenierungen. Eine davon kenne ich bereits von meiner Nachtkritik aus Wien; sie gehört zu meinen absoluten Favoriten des Jahres 2017. Für die Berliner Zeitung habe ich noch mal aufgeschrieben warum:

Ist die Welt krank, oder bin ich es? Kaum einer kann diese Frage besser bespielen als Joachim Meyerhoff. Aufgewachsen in der elterlichen Psychiatrie, hat er diese Erfahrung in autobiografischen Büchern verarbeitet. Hier verkörpert er den Autor Thomas Melle, der diesem tragischen Zwiespalt ausgesetzt ist. Melle ist bipolar, sein Leben pendelt zwischen Kopf-in-den-Wolken und Kopf-in-der-Schlinge. Drei Stunden lang spielt sich Meyerhoff, der zu den im positiven Sinn verhaltensauffälligsten Schauspielern der Gegenwart zählt, in Jan Bosses Inszenierung selbst an die Wand, den Pingpongtisch, das Ariadnelabyrinth. Die Welt ist krank, und Hoffnung lauert überall, wo so Theater gemacht wird.