Es ist irre heiß, es hat 38 Grad, es ist die Wüste

Eine sagenhaft hohe Dichte an Mid-Century-Modern-Architektur trifft auf Designertankstellen. Das Gebäude, vor dem die Obdachlosen herumlungern, sieht aus wie von Mies van der Rohe entworfen. Zur Sangria-Happy-Hour im Monkey Tree Hotel (täglich von 17 bis 19 Uhr) seufzt Sinatra aus den Lautsprechern und das Licht, das Licht ist wirklich magisch. In Palm Springs haben sie kapiert, dass die Welt vielleicht nicht durch Schönheit erlöst, aber erträglich wird. Für die Welt war ich der “sexysten Stadt der USA”. Als ich da war, hatte es 38 Grad.

Die Autorin und der Flamingo im Monkey Tree Hotel

Personalessen: Pizza und Limo

Abgesehen davon, dass er während des Erzählens manchmal etwas auf dem Smartphone checkt, ist Flynn McGarry sehr nett. Gekocht hat er schon als Zehnjähriger, bald auch Supper Clubs zusammen mit seinen Klassenkameraden, als Personalessen gab es Pizza und Limo. Wahlweise gilt er als “Justin Bieber of Food” oder “Mozart der Kulinarik”. Mir kam er vor wie ein Zwanzigjähriger in Jugenduniform (weißes T-Shirt, Stoffhose, Loafer), der sich freut, den Alkohol bald nicht mehr nur in seine Sauce aus Apfelessig und getrockneter Selleriehaut schütten zu dürfen, sondern auch ganz legal in sich selbst hinein. Für den Standard habe ich McGarry bei den Berliner Chef’s Days getroffen.

Flynn McGarry im September 2019 in Berlin

Fragen Sie Ihren Arzt oder Bartender

… denn mit Medizin kennen sich beide aus. Der Sazerac wurde im New Orleans der 1830er erfunden, und zwar vom Apotheker Antoine Amedée Peychaud. Eine zeitgemäße Version kommt von Sembo Amirpour, Betreiber der Bonner Bar Old Jacob. Sie enthält teeinfusierten Bourbon, Feigen-Zimt-Sirup und eine Teemischung namens Arabische Nacht. Keine Nebenwirkungen, höchstens Risiken, wenn das dritte Glas nicht genug ist. Mehr beim Zeit Online Absacker.

Le Chaim, auf das Leben!

Zehn vor neun. Das ist die Zeit, zu der sich der Deutsche sein zweites Pils aufmacht und allmählich über Vorabendserienwitze lachen kann. Bei der Isramani Party tanzen um diese Zeit die ersten Gäste auf den Tischen. Für den Tagesspiegel Genuss Guide 2020 habe ich mitgetanzt – und gegessen und getrunken. Auch bei Layla, Montraw, Shishi und Gordon. Die israelische Gastfreundschaft ist ein Phänomen!

Tagesspiegel Genuss Guide 2020

Da geht noch weniger!

In manchen Küchen ist ein Sous-Vide-Garer das Prestigeobjekt, in anderen ein Hochleistungsgrill namens Salamander. Hier sind sie stolz auf Gersi. Die Kompostiermaschine steht im hinteren Teil des Restaurants, abgetrennt vom Gastraum, aber doch so, dass Interessierte mal kucken gehen können. Das Prinzip ist schnell erklärt: Oben kommen die Essensreste rein, unten der Humus raus. Anschließend landet er auf den Feldern jener Bauern, von denen die Zutaten für das Essen kamen. Man spricht von Kreiswirtschaft. 

Frea heißt das erste vegane Zero-Waste-Restaurant Berlins. Dort kocht Halfdan Kluften, ehemals Sous-Chef im Vorzeige-Betrieb Silo. Für das Companion Magazine habe ich einen Eindruck bekommen vom ökologisch einwandfreien Leben – wenn man mal von der trotz Tageslicht eingeschalteten Deckenlampe absieht.

Companion Magazine No. 17

“In Chemie war ich eine Niete”

… kaum zu glauben angesichts der Tatsache, dass David Zilber heute das Fermentationslabor des Noma leitet. Seinen Handrücken zieren Formeln der Physiker Erwin Schrödinger und Ludwig Eduard Boltzmann. Wann immer es geht, liest er Fachliteratur, auch beim Personalessen. Für Zeit Online habe ich den 33-Jährigen in Stockholm getroffen. Sein Tipp für alle absoluten Beginner: “Go and have fun!”

David Zilber beim Foodstock Festival

Bitte eine Quitte

Die ersten beiden heißen wirklich Adam und Eva. Sie stehen am Rand eines wenige hundert Meter großen Feldes und blühen, wie es scheint, besonders aufreizend. Was, wenn Gott den ersten beiden Menschen keine Äpfel, sondern Quitten verboten hätte? Wahrscheinlich wären wir dann noch im Paradies. 

Für den Feinschmecker habe ich Rainer Stadler und Ellen Müller in Weinheim besucht. Ihr Quittenprojekt ist Programm: Auf 40.000 Quadratmetern kultivieren sie sechzig verschiedene Sorten.

Big Boy


Pisco like a Pro

Zugegeben hat mich das Rezept für Andreas Schölers Pisco Sour Variante ins Schwitzen gebracht, als würde ich den Machu Picchu erklimmen. Ancho-Essenz? Gomme-Sirup? Metilgel (erst habe ich Mettigel gelesen)? So viele Arbeitsschritte, so viele unbekannte Zutaten! Lieber schaue ich demnächst mal in der Freiburger Bar One Trick Pony vorbei. Schließlich bin ich Theoretikerin.

Wir sind im Garten

Insgeheim sehnen sich viele Stadtbewohner nach dem Land, mich inbegriffen. Seit ich Lola Randls “Der große Garten” gelesen habe, will ich eigentlich sofort nach Gerswalde ziehen. Stattdessen bin ich mit Florian Reimann für die Welt in ein anderes kleines Dorf in Mecklenburg-Vorpommern gefahren, um Susann Probst und Yannic Schon vom vegetarischen Foodblog Krautkopf zu besuchen.

Susann Probst und Yannic Schon in ihrem Garten

Stimmt so!

Schwaben haben eine besondere Beziehung zum Thema Trinkgeld. Vor allem, weil es keine verbindlichen Regeln gibt, an die man sich halten kann (manchmal mag ich Regeln). Umso mehr habe ich mich gefreut, für das B-EAT Magazin eine Handreichung zu diesem heiklen Thema schreiben zu dürfen. Die Erkenntnis: Manche geben nichts, andere tausend Euro.

48 Stunden St. Petersburg

Für die NZZ war ich für eine zu kurze Zeit in Russlands zweitgrößter – und wahrscheinlich schönster – Stadt unterwegs. Ziel der Reise war New Holland Island, ein Kulturareal auf einer der vielen Inseln. Dort erwartete uns ein Wodka-Tasting, mit flüssigem Käse gefülltes Brot und eine Spritztour mit dem Boot von Roman Abramowitsch, die leider keinen Eingang in den Text gefunden hat.

Die Pastakönigin

Nachdem ich wochenlang versucht hatte, einen Tisch im New Yorker Lilia zu reservieren, und schließlich einfach vor offiziellem Beginn des Abendservices vor der Tür stand, hat es tatsächlich geklappt: Zwei meiner Foodiefreunde und ich bekamen einen Platz an der Bar. Der Abend war wunderbar. Allerdings war unsere Pink Peppercorn Pasta so al dente, wie ich sie mich nicht trauen würde zu servieren. Was es mit deren Köchin Missy Robbins auf sich hat, habe ich für B-EAT aufgeschrieben.

Trinken wie Heinz Strunk

Kein Getränk repräsentiert die Stimmung in Heinz Strunks genialem Roman “Der Goldene Handschuh” besser als das Herrengedeck. Es besteht aus einem Bier und einem Schnapsglas Hochprozentigem, bevorzugt Korn. Das war nicht immer so: Ursprünglich meint der Begriff die Kombination von Bier und Piccolo. Die tolle Sophia Wenzel, Deutschlands beste Biersommelière, hat sich für Zeit Online eine edle Version des seltsamen Klassikers ausgedacht.

Immer kurz vorm Dry Creek Peach Sorbet

Healdsburg ist eine nordkalifornische Stadt, von der selbst viele Amerikaner noch nie gehört haben. Dabei hat dort begonnen, was heute als Farm-to-Table weltweit Schule macht. Im Single Thread zum Beispiel, über das ich bereits in der Welt am Sonntag berichtet habe, oder in der Noble Folk Ice Cream & Pie Bar. Deren Besitzer Osvaldo Jimenez erzählte mir, dass es allein in der unmittelbaren Umgebung von Healdsburg 115 Farmen gäbe. „Ich kenne jeden meiner Lieferanten persönlich. Wenn Mrs. O’Sullivan mir heute ein paar Eimer Pfirsiche vor die Tür stellt, gibt es morgen Dry Creek Peach Sorbet.“ Was es sonst noch gibt in Healdsburg, habe ich für den Standard aufgeschrieben.

Osvaldo Jimenez vor seiner Noble Folk Ice Cream & Pie Bar

Gerüttelt, nicht gerührt

He’s back: Vor einigen Jahren prägte der Journalist Carsten Otte den Begriff des gastrosexuellen Mannes. Ein Hobbykoch, der Wochenende für Wochenende (unter der Woche kocht die Frau) in seiner Zehntausendeuroküche oder an seinem Webergrill zur Hochform aufläuft. Endlich konnte das ideale Gericht dieser Spezies ausfindig gemacht werden: die Paella. Eine wagenradgroße gusseiserne Pfanne, dramatisch brodelnd über offenem Feuer. Fleisch, Fleisch und noch mal Fleisch, Rauchschwaden und nebenbei ein gediegenes Bierchen. Ganz wichtig: Niemals rühren, sondern rütteln. Für den Tagesspiegel war ich dort, wo die Paella erfunden wurde, in Valencia.

Weckst Du noch oder preppst Du schon?

Sind wir nicht alle mit Dosenpfirsichen aufgewachsen? Die Zeiten sind vorbei. Heute ist Einwecken so angesagt, das es spezielle Swap-Partys gibt, um seine eigenhändig eingeweckten Exemplare zu tauschen. Ein anderes Zeitgeistphänomen ist das sogenannte Prepping, bei dem man sich mit allerlei Vorräten auf eine mögliche Invasion Außerirdischer vorbereitet oder ganz einfach die nächste Amtszeit von Trump. Ich schweife ab. Für die FAZ Woche habe ich überlegt, warum Weckgläser neuerdings Statussymbole sind.

Unmobil in L.A.

Vier Millionen Einwohner, acht Millionen Autos: Los Angeles gilt als Autohauptstadt schlechthin. Für die Welt am Sonntag habe ich ausprobiert, wie weit ich ohne komme. Spoiler: Manchmal nicht weiter als ein paar Straßenecken.

Bin im Garten

Lebe das Klischee: Wie so viele Stadtbewohner träume auch ich vom Haus auf dem Land. Für mehr als einen Balkon hat es bisher nicht gereicht. Kurzzeitige Abhilfe schafft ein Gartenurlaub. Für den Standard habe ich mich in die Open-Air-Badewanne des wunderbaren Gut Guntrams gelegt.

Das Hawaiihemdfeeling im Glas

Deutschland trinkt Tiki – und ich sage das als jemand, der im Simon-Dach-Kiez lebt, wo die Cocktail-Happy-Hour gewissermaßen erfunden wurde. Dabei muss es weder Papierschirmchen sein noch Sex on the Beach. Robert Schröter hat für Zeit Online den Sommerdrink Pear Harbour kreiert, mit geräuchertem Birnenschnaps und Rum von den Spreewood Distillers. Und beweist damit, dass Tiki-Drinks mehr sind als eine gefällige Abkürzung Richtung Vollrausch. Zumindest jenseits der Simon-Dach-Straße.

Robert Schröter mit seinem Pear Harbour

Die Meisterbäckerin

Glutenfreies Brot schmeckt meistens nach nichts oder nach Pappe oder Siebzigerjahrereformhaustraurigkeit. Anders bei Aera. Betreiberin Ava Celik hat zwei Jahre lang nach dem perfekten Rezept gesucht, bis sie zufrieden war, und feilt noch immer weiter daran. Ihre Bäckerei gehört zu den schönsten der Stadt und das aus Hirse-, Reis-, Soja- und Teffmehl gebackene Brot reicht wirklich sehr nahe an echtes Sauerteigbrot heran. Für den Tagesspiegel habe ich die 29-jährige Unternehmerin in ihrer Charlottenburger Backstube besucht.

Ava Celik vor ihrer Bäckerei Aera

Sitzen mit Susan

Susan Feniger trägt Chucks, regenbogenbunte Halstücher und Jeans mit Farbspritzern. Ihr Nasenstecker ist türkisfarben. Für die FAZ habe ich sie in Las Vegas bei einem von Bon Apetit veranstalteten Foodfestival getroffen. Genau genommen saßen wir auf dem Boden, nur wenige Meter vom roten Teppich entfernt. In diesem Moment war ich ziemlich froh über ein wenig kalifornische Lässigkeit – Feniger lebt in L.A. – im Garten des Ceasar’s Palace, der wirkt, als hätte ein Kleinkind seine Version des römischen Reichs mit Playmobil nachgebaut.

FAZ Woche 30/2019

Wofür Bledar brennt

Bledar Kola war in London Tellerwäscher, hat anschließend im Noma gekocht und ist schließlich wieder in seine Heimat zurückgekehrt. Seitdem beweist er, dass albanisches Essen nicht nur etwas für Bauern ist. Das Tasting Menu im Mullixhiu mit Überraschungen wie dem Getreiderisotto Trahana oder dem Milchflan Qumeshtor kostet umgerechnet fünfzehn Euro. Für Zeit Online habe ich Kola in Tirana getroffen und mit ihm über Urgetreide, albanisches Slow Food und Raki als Schweinesedativum gesprochen.

Negroni, mon <3

Ein Negronirezept aus Wien? Da kommen zwei meiner Herzensthemen zusammen. Hubert Peter aus dem wunderbaren Bruder nennt seine Variation “Abendröte über Catania”. Genauso gut wie am sizilianischen Hafen schmeckt sie in einem österreichischen Schanigarten.