All posts filed under ‘Tisch

Die fettarmen Jahre sind vorbei

Zu Butter hatte ich immer schon ein besonderes Verhältnis. Angefangen von der großen Schüssel Butternudeln-al-dente, die ich als Kind auf dem Schoß meines Papas genoss, über die dick mit Butter bestrichenen schwäbischen Seelen meiner Schulzeit bis hin zu meiner heutigen, ich möchte fast sagen: Obsession, die ich zum Beispiel mit meinem Freund Julian auslebe. Kein […]

Burrata-Croissant-Liebe

Dass niemand früher auf die Idee gekommen ist! Ein Sauerteigcroissant mit einer ganzen Burratakugel, auf die sich Kaffeeschalensirup ergießt wie ein Sommerregen. Fett, Sahne, Zucker, Knusper, so einfach kann es sein. Schnell wurde dieser Teller zum Instagram-Hit und zum Signature Breakfast Dish eines erst wenige Wochen alten Lokals. Café Frieda heißt das Lokal in Berlin Prenzlauer Berg, […]

Ein Österreicher in Wien

Fisch im Dessert? Kurz dachte ich mit Schrecken an die Seafood-Desserts im Noma, bis mich Sebastian Franks letzter Menügang eines Besseren belehrte: schwarz geröstete Karotten, bedeckt von Sauerrahmeis, getoppt mit Flusskrebskaramell. Erde, Wasser und ein Stück vom Eiscremehimmel, dazu Karottensaft mit Estragon und Wacholder. Die alkoholfreie Begleitung im Horváth kann nämlich auch ganz schön was. […]

Kraut & Liebe

Auch schon wieder zwei Jahre her, dass Florian Reimann und ich Susann Probst und Yannic Schon von Krautkopf in ihrem mecklenburgischen Traum von einem Landhaus besuchten. Jetzt haben die beiden ein neues Kochbuch herausgegeben, anlässlich dessen mein Interview im Salon Magazin erschienen ist. Meine Lieblingsrezepte in „Erde, Salz & Glut“: Waldheidelbeerkuchen mit Joghurt und Thymian und gebackene Beeren mit […]

Von Brooklyn an den Berg

Mein Sommerurlaub dieses Jahr war gar kein richtiger, sondern eine Recherchereise zur Roten Wand, einem Feel-Good-Hotel in Lech am Arlberg. Seien wir ehrlich: Wie Arbeit hat sich das nicht angefühlt. Zum einen lag das an der Gastfreundschaft der Familie Walch, dem guten Wetter und den Bergen. Zum anderen an Max Natmessnigs Kochkünsten, die ich in […]

So weit, so Wurst

Viele machen sich nicht mal die Mühe der eigenen Saucenherstellung. Stattdessen: Ketchupflasche kopfüber jehalten, Currypulver rüberjekippt, Plastikgabel rinne, Mahlzeit! Als für den deutschen Magen unerlässliche Sättigungsbeilage werden Pommes mit Mayo (“Mantaplatte”) oder Rot-Weiß (“Pommes-Schranke”), ungetoastetes Toastbrot oder geschmacksneutrale Semmeln gereicht, in Berlin sagt man Schrippen. Und Bier, viel Bier. Mein Beitrag zur Bundestagswahl: ein Standard-Artikel […]

Drauf ohne Drübersein

Ein großer Spaß, mit Billy Wagner über das stilvolle Nüchtersein zu diskutieren, so geschehen an einem milden Juniabend auf dem Dach des Berliner Aufbauhauses. Dort veranstaltet das Nobelhart & Schmutzig sein Sommer-Pop-Up, das ich für die Berliner Zeitung bespreche. So viel spannender als Wein war deren Erdbeerkombucha, der Joghurt-Sahne-Ayran vom Erdhof Seewalde oder jener Quittensaft […]

Frühstück rund um die Uhr (fast)

Berlin hat eine neue Frühstückssensation, Nähe Kurfürstenstrich. Im Frühstück 3000 gibt es Hummer-Brioche und Schwarzwälder-Kirsch-French-Toast und Erbsenkrapfen mit Blattsalat. Mein Freund Holger und ich bestellten so viel, dass sich der Service ernsthaft Sorgen machte, wo das alles hinsolle. In unseren Bauch natürlich, und nur ein kleiner Rest in den Doggy Bag. Wie es geschmeckt hat, […]

Schickilacki essen gehen

Der Ausdruck schickilacki gehörte bislang nicht zu meinem Wortschatz, aber danke dafür! Ausgedacht hat ihn sich die Berliner Zeitung, als Überschrift für meine Kritik des Irma la Douce. Von deren Bouillabaisse träume ich heute noch.

Am Katzentisch

„Wir hoffen Sie bald in unserem Restaurant begrüßen zu dürfen. Idealerweise zu zweit.“ Restaurants, die solche E-Mails versenden, haben nicht verstanden, wie wohltuend das Alleineessen sein kann. Ich schon, und es steht im A la Carte Magazin.

Schluss mit der Weißwurstparade

Es ist schon seltsam, dass die Spitzenküche so männlich geprägt ist. Milliarden von Frauen versorgen die Welt tagtäglich mit drei bis fünf Mahlzeiten, ohne besondere Würdigung. Sobald Essen von der reinen Nahrungsaufnahme zur Kunst sublimiert wird, verwirklichen sich fast ausschließlich Männer am Pacojet. Warum es Zeit ist, die am stärksten von Diskriminierung am Arbeitsplatz betroffene Branche […]

Südfrankreich auf dem Teller

Ein schöner Plan für die Post-Corona-Zeit: Auf der Terrasse des Irma la Douce sitzen, Verjus trinken und Meeresfrüchte essen. „In Berlin habe ich Bouillabaisse bis dahin immer nur als eine mit Safran abgeschmeckte Fischsuppe serviert bekommen“, so Jonathan Kartenberg. Für die Welt am Sonntag habe ich dem Betreiber des französischen Edelbistrots in den Fischtopf geschaut.

Paddelgroße Kochlöffel

An die strengen Strukturen der Waldorfschule Berlin-Mitte musste sich Chiara Strobl erst mal gewöhnen, genau wie an 80-Liter-Töpfe und paddelgroße Kochlöffel. Die Servierpinzette, die sie an früheren Arbeitsplätzen wie dem Mraz & Sohn und Nobelhart & Schmutzig benutzte, hat jedenfalls ausgedient. Jetzt ist Montag Pastatag, Mittwoch Kartoffeltag und freitags gibt es süße Hauptgerichte und Reste. […]

Die Pandemie kann gehen, der Frühling kommen

Eine Kochbox des Cookies Cream, Berlins einzigem besternten vegetarischen Restaurant, ist ein Gesamtkunstwerk, mit Kerzen, Playlist, Glückskeksen und, im Fall der Frühjahrsausgabe, einem wahnsinnig komplexen alkoholfreien Aperitif, bestehend aus Rhabarber-Vanille-Zitronennektar, Pfeffer und Tabasco. Für die Berliner Zeitung habe ich mich an der Zubereitung von jungem Wurzelwerk, Erdkohlrabi auf Bärlauchcreme und Granola auf Maracuja-Quitten-Püree versucht.

Pistazieneis, pastellfarben wie eine verblichene Postkarte

War es in Berlin je so warm, dass die Pistaziensauce bei Duo bis zum Abknabbern der Waffel flüssig blieb? Gab es mal einen Sommer, in der Eisdielen Probierportionen gewährten und man goldene Reifen am Handgelenk trug statt FFP2-Masken? Ja, und es kommen wieder andere Zeiten. Bis dahin erfreue ich mich, selbst an Apriltagen, an denen […]

Endlich mal ein guter Inder

Berlin hat einen blinden Fleck: indisches Essen. Es gibt exzellente Japaner, Sichuanchinesen, Österreicher, Thais, Katalanen, ganz abgesehen von jeder erdenklichen italienischen Regionalküche. Wo aber sind die fantastischen Inder? Wenn mich die Lust auf Palak Paneer überkam, wurde ich bislang am ehesten bei Bahadur glücklich, leider sehr weit weg. Dann kam Tiffin, ein Lieferservice mit Wohlfühlgerichten, wie […]

Lockdownlieblinge

Dem Tagesspiegel habe ich verraten, mit welchem Essen ich durch die Corona-Pandemie komme. Ein absolutes Highlight ist das Double Baked Croissant von Sofi,, für das frühe Vögel leider sehr früh aufstehen müssen, wenn sie erst mal von Friedrichshain nach Mitte radeln müssen. Weitere Highlights sind die Ofengemüsepizza mit extra Burrata von Tiny’s, der Sabich-Teller von Kitten Deli und […]

Double Baked Happiness

Eine recht neue, der Pandemie geschuldete Kategorie ist das Instafood. Essen, das nach Gönnung aussieht, Essen, für das man freiwillig länger ansteht als für einen PCR-Test, und das noch an Ort und Stelle dokumentiert werden muss, nicht zuletzt als Selbstvergewisserung der eigenen Willenskraft: Solange ich bei Schneeregen eine halbe Podcastfolge lang in der Kälte stehe, […]

JWD

Janz weit draußen jibt es für die Berlinerin allerhand zu entdecken. Eine zur Versuchsküche umfunktionierte Datsche beispielsweise, in der Vadim Otto Ursus mexikanische Riesentagetes trocknet, Vogelbeeren pult oder im Backofen Birnensaft pasteurisiert. Dessen Restaurant Otto gehört zu meinen Lieblingsorten in der Hauptstadt, dementsprechend glücklich war ich, den 28-Jährigen für eine Geschichte im Fräulein Magazin in […]

Wir freuen uns schon mal vor

Ein schönes Gedankenspiel zu Beginn eines unsicheren Jahres: Wohin reisen wir als erstes, wenn Reisen wieder möglich ist? An welchem mit handgetöpferten Wasserkaraffen gedeckten Tisch nehmen wir Platz, für welches regional-saisonale Sterne-Menü geben wir unser Geld aus? Gemeinsam mit anderen Welt-am-Sonntag-Autoren habe ich mich in eine unsichere Zukunft geträumt. Meine drei ersten Anlaufstellen werden hoffentlich […]

Die Soup Lady von West-Berlin

Schwül pappt die Wärme über der Stadt wie Klebreis. Es ist Anfang Juni und die Temperaturen endlich hoch genug für scharfes Essen, denn jeder Thai weiß, dass das den Kreislauf in Schwung bringt. Wir sind im West-Berliner Stadtteil Wilmersdorf, zur sagenumwobenen Kantstraße sind es dreißig schweißtreibende Minuten Fußweg. Das Thai-Art befindet sich im Erdgeschoss eines Bausündenbaus, […]

Fromage Fromage

Wahrscheinlich hat Hubert Stockner den ungemütlichsten Arbeitsplatz der Welt. Mit dem urlaubseufzenden Bergpanorama im Rücken geht es durch eine Metalltür hindurch in einen scheinbar endlosen, geduckten Gang. Zehn Grad herrschen im Genussbunker und nahezu hundert Prozent Luftfeuchtigkeit. Rund 6500 Käselaibe reifen hier ihrer Perfektion entgegen, die allesamt von Hand umgedreht werden müssen. Für die Welt […]

Sie sorgt schon heute für den Kater von morgen

Beinahe ein Jahr ist es her, dass ich im Tulus Lotrek essen war, einer systemrelevanten Genussbude im aufgeräumten Teil Kreuzbergs. Ein Abend, an den ich sehr, sehr gerne zurückdenke. Das liegt auch an Mitinhaberin Ilona Scholl, die sich von ganzem Herzen gegen eine Karriere als Taxifahrerin (Studium der Literatur-, Musik- und Medienwissenschaften) und für die […]

Parmigiana statt Paragrafen

Antonia Klugmann hat sich nie von der Männerlastigkeit ihrer Arbeitsplätze beirren lassen. Geschlecht, sagt sie, spielt in der Profiküche keine Rolle. Für A la Carte habe ich die studierte Juristin in ihrem norditalienischen Restaurant L’Argine a Vencò besucht. Besonders gut gefallen hat mir ein Pastagericht mit Erdbeeren, die wie überreife Tomaten schmeckten – und jenes […]

Südlich von Stuttgart

Vieles auf der Schwäbischen Alb wird der Einfachheit halber mit “südlich von Stuttgart” angegeben. Ich weiß das, ich komme von da. Südlich von Stuttgart also befindet sich das weltweit erste Fine-Dining-Restaurant, das ausschließlich mit Demeter- und Bioland-Produkten arbeitet und zudem die Ökobilanz jedes einzelnen Gerichts auflistet. Klingt anstrengend, ist es in Wahrheit aber nicht, man […]