All posts tagged ‘Nachtkritik

Cunnies googeln

Die Hölle ist los, wenn deutsche Inszenierungen nicht englisch übertitelt werden. Umgekehrt passiert nichts. Hätte ich den Text vorher nicht gelesen (journalistische Ehrensache), mir wäre wohl vieles entgangen an diesem Tanzabend im Deutschen Theater, auch Lustiges. Ziemlich sicher wussten nicht alle im durchschnittlich fünfundvierzig Jahre alten Publikum, was der Slangbegriff cunny bedeutet. Das Urban Dictionary […]

Ein bisschen Bitch muss sein

Viele Kunstwerke werden derzeit auf Spuren des Patriarchats abgeklopft. Die DDR-Ikone Christa Wolf war Avantgarde. Ihr Roman “Medea. Stimmen” erschien bereits 1996. Am Deutschen Theater hat Tilmann Köhler (ein Mann!) den Stoff inszeniert, mit einer soliden, etwas eindimensionalen Medea und einigen spannenden Nebenfiguren. Auch Männern! Warum es ohne die nicht geht und auch nicht ohne […]

Irgendwas mit change

Eigentlich ganz erfrischend, mal von Joachim Meyerhoff als Arschloch bezeichnet zu werden, zumal ich ihn während meiner Hospitanz im Hamburger Thalia Theater als ausgesprochen friedlichen Zeitgenossen kennengelernt habe. Anlass ist die Premiere von Jette Steckels “Volksfeind” am Wiener Burgtheater. Es geht um den Wahnsinn der Gegenwart, um Glyphosat, Panama-Paradise und (meine Ergänzung), dass die Zeit […]

Die lieben Kleinen

Sich fühlen wie die Mutter, die hässliche Kinderzeichnungen an den Kühlschrank pinnen muss, aus Nettigkeit. Oder den talentfreien Nachwuchs beim Schultheater beklatschen. Was das mit dem gutgemeinten, aber ungut gewordenen “Traiskirchen. Das Musical” zu tun hat, steht bei Nachtkritik. 

K.U.N.S.T.K.A.C.K.E.

Jonathan Meese, das ist der Typ mit den Mummy Issues. Tatsächlich bin ich seiner Mutter in der Pause von “Mondparsifal 1-8 Erzmutterz der Abwehrz)” auf der Damentoilette begegnet. Was ich sonst noch alles sah und hörte, steht bei Nachtkritik.

Lars Eidinger is amused

Eine Reihe hinter mir hatte Lars Eidinger mindestens so viel Spaß wie bei seinen eigenen Stücken. Wem außer Herbert Fritsch gelingt dieses Kunststück? Für Nachtkritik habe ich mir dessen Theatertreffen-prämierte Inszenierung “Pfusch” angesehen.

Falk Richter is not amused

Es war ein verhältnismäßig schwacher Stückemarkt-Jahrgang beim diesjährigen Theatertreffen. Mit der Wahl des Siegers war nicht nur der Regisseur Falk Richter unzufrieden, sondern auch ich. Statt 12 000 Babykatzen hätte ich mir das Stück über ein Sneakermausoleum auf dem ersten Platz gewünscht. Das Leben ist kein Wunschkonzert. Manchmal ist Theater wie Cat Content: Obwohl man […]

Das verflixte 53. Jahr

In diesem Jahr ging beim Theatertreffen so einiges schief. Von den zehn bemerkenswerten Inszenierungen konnten nur acht in Berlin gezeigt werden und für eine weitere gab es ein Kartenkontingent so klein wie eine Volksbühnen-Streichholzschachtel. Was soll’s, dachten sich die Verantwortlichen, und zeigten den Hamburger “Schimmelreiter” als szenische Lesung mit Musik. Immerhin letztere stimmte meine Begleitung […]

Die jungen Leute mögen es cool

Noch ein angry white man, der sich zur Volksbühnen-Debatte meldet? Michael Schindhelm hat einen Roman geschrieben aus der Perspektive eines Chefdramaturgen kurz vorm Renteneintritt. Schauplatz ist unübersehbar jenes Theater, das gerade die deutschsprachigen Feuilletons aus dem Konzept bringt. Oder handelt es sich bei “Letzter Vorhang” um eine Realsatire? So oder so: Meine Sympathie für den Castorf-Nachfolger […]

Mama, ich bin im Radio

Für Deutschlandfunk Kultur habe ich die Premiere von René Polleschs “Carol Reed” im Wiener Akademietheater besprochen. Aufregend, wenn Wörter zum ersten Mal gesprochen statt gelesen werden. Danach war der Abend noch nicht zu Ende. Wie es weiterging, steht bei Nachtkritik.

Nie wieder Pflichtlektüre

… dachte ich mir nach Abschluss der dreizehnten Klasse. Da hatte ich die Rechnung ohne Nikolaus Habjan gemacht, der mir am Volkstheater seine furchtbar unzeitgemäße Interpretation des von Haus aus unzeitgemäßen “Nathan der Weise” zugemutet hat. Der ungezogene Teil in mir hat ununterbrochen gegähnt. Der pflichtbewusste diese Nachtkritik geschrieben.

Der Rest vom Fest

“Man hat halt oft so eine Sehnsucht in sich” – so wie den Figuren in Ödön von Horvaths Stück “Kasimir und Karoline” geht es auch manchem Partygast. Hat sich daran am Ende der Veranstaltung nichts geändert, nimmt man halt, was man kriegen kann. Für Nachtkritik habe ich mitgelitten. 

Nachsitzen

Wenn Erwachsene sich in Jugendliche versetzen, kann das zu sehr guten oder zu miserablen Zensuren führen. Bei John von Düffel ist letzteres der Fall. In seinem Roman “Klassenbuch” ist von “Hassboostern” die Rede, von “FuZos” und photoshop-fähigen Drohnen. Brabbelt so die Jugend von heute? Noch dazu ist die Handlung zäh wie eine Doppelstunde Deutschleistungskurs. Als Kritikerin muss […]

Da muss man sich halt auch mal helfen lassen

Hilfe annehmen ist Schwerstarbeit. Der Autor Thomas Melle ist bipolar und besonders in seinen manischen Phasen recht unerreichbar für die Ratschläge anderer Leute. Wie nah dieser Leidende dem Abgrund ist, ja, dass er im Prinzip schon unzählige Male “auf der anderen Seite” war, von wo ihn Abbas “Fernando” zurück ins Leben holte (allein dieser Szene […]

Ich kenn mich nicht mehr aus

… sagt der Österreicher, wenn er wirklich lost ist. So ging es mir bei Lisa Lies “Kaspar Hauser”, dessen Premiere im Schauspielhaus ich für Nachtkritik besprochen habe. Und das, obwohl ich einige Tage zuvor mit der Regisseurin spazieren war. Am Ende ihrer Inszenierung trotzdem nur Fragezeichen in Gurkenform, Plem-Plem Ugu-Aga Balla-Balla und ein neues Lied für die […]

Mi-mi-mi, man hat ja völlig den Überblick verloren

So sind sie, die Angehörigen des Kulturprekariats: Nie den vollen Durchblick, trotz Google Maps. Immer nie kein Geld, aber trotzdem gut gekleidet. Immer ein bisschen am Jammern, aber trotzdem in Partylaune. Immer leicht gebeugte Knie, damit sie sich nicht den Kopf an der gläsernen Decke stoßen. Für Nachtkritik habe ich zugehört, was der Stern in […]

Zusammen am Balkan

Perspektivenwechsel: Statt in den Zuschauerreihen zu sitzen, schaue ich ausnahmsweise dem Ensemble über die Schulter. Von hier aus kann ich den Schriftzug “Ensemble à Paris” auf Rebeccas Handgelenk lesen. Für Nachtkritik bin ich in den Operndolmuş der Komischen Oper Berlin gestiegen. Von Wien ging die Reise nach Belgrad, Sofia und Istanbul. Flirts mit der kroatischen Staatsmacht und […]

Hello Bello

Manchen Herrchen wird eine gewisse Ähnlichkeit mit ihren Hunden nachgesagt. Wie weit es mit der Verschmelzung gehen kann, zeigt die neueste Produktion des Performancekollektivs Signa.  Für Nachtkritik war ich bei “Wir Hunde/Us Dogs” und habe Menschen, mit denen ich sonst Kaffee trinken gehe, den Kopf gekrault und mir von anderen die Hand lecken lassen. (Das Foto […]

Glocke, Bleistift, Einstecktuch

“Die Vorstellung einer Bella Figura, also der gesellschaftlichen Rolle, die ein jeder spielt, schwankt ja von Land zu Land erheblich”: Willkommen in Wien, wo ich für Nachtkritik die Premiere von Yasmina Rezas “Bella Figura” in der Regie von Dieter Giesing besprochen habe. Entschuldigung, aber es muss dabei auch um die Garderobe des Burgtheaterpublikums gehen.

Kein Wunder

Der Wolf ist dem Autor ein Märchen: Für Nachtkritik habe ich den ersten Roman des Gegenwartsdramatikers Roland Schimmelpfennig gelesen. “An einem klaren, eiskalten Januarmorgen zu Beginn des 21. Jahrhunderts” ist unironisch klug konstruiert, aber auch ernsthaft unberührend. Und Wölfe in Berlin bestimmt schon gesichtet worden.