Alle meinen es immer ernst, sogar beim Onlinedating

Wien ist eine so hinreißende Stadt. Meine nächstgelegene Denns-Filiale beispielsweise befindet sich in einem Zehn-Meter-Deckenhöhe-Palast mit Stuckfassade, der H&M unweit des Stephansdoms ist in einem Jugendstilhaus mit Paternoster und hölzernem Treppen-, Pardon, Stiegenhaus. Die Jugend hängt vor der Karlskirche ab, einem denkmalgeschützten Barockbau, dessen Schönheit einem den Atem verschlägt, und alle räumen hinterher ihren Müll weg. Der Berliner Schlendrian hat sich nirgends durchgesetzt, nicht mal beim Onlinedating. Warum hierherzuziehen eine sehr gute Entscheidung war, habe ich für die Berliner Zeitung aufgeschrieben.


Dry this

Wie man diesen Monat angeht, ist Ansichtssache. Sieht man ihn als eine Aneinanderreihung verpasster Trinkgelegenheiten, als langweilig, eintönig, stumpf? Oder aber als eine Art kostenlosen Wellnessurlaub, mit erholsamem Schlaf, klaren Gedanken und katerfreien Wochenenden? Wir raten zu Letzterem.

Und wieder mal motiviert der Jahresbeginn zur einmonatigen Alkoholabstinenz. Seit einiger Zeit ist für mich immer Dry January, und ich feiere das sehr. Für Einsteigerinnen habe ich für den Standard ein paar Tipps zusammengetragen.

Sag ja zur Nüchternheit!

Das kann dann mal weg

Bei vielen war 2021 die Laune durchgängig im Keller. Meine befand sich in den oberen Stockwerken, wenn auch nicht auf der Dachterrasse. Zeit, für die Berliner Zeitung zurückzublicken: auf ein gastronomisches Jahr zwischen Bubble-Tea-Desastern und enttäuschenden veganen Donuts, die wett gemacht wurden von Lockdownlieblingen wie dem Burrata-Kaffeesirup-Croissant bei Café Frieda (wegen dem ich schon mal mit meinem Kollegen Jesko debattiert habe), Nicht-von-dieser-Welt-Sauerteigbrot und fantastischen alkoholfreien Getränkebegleitungen.

Schön aufgeblättert

Sflogliatelle, zu deutsch Aufgeblätterte, sind dreieckige, muschelförmige Plundertaschen, deren Herstellung nicht nur ähnlich aufwendig aussieht wie die eines Croissants, sondern es auch ist. Erfunden wurden sie im Monastero Santa Rosa, einem ehemaligen Kloster an der Amalfiküste, das heute ein Luxushotel beherbergt. Für A la Carte Magazin habe ich mich von dessen Chefkoch Christoph Bob beruhigen lassen, dass die beim Reinbeißen krachenden Kunstwerke nicht wie früher üblich mit Schweineschmalz gebacken werden. Tipps für gute Sfogliatelle-Adressen in Österreich gibt es auch. Und ein Zitat aus Sarah Satts Italienliebebuch „Miss en Place“:

„Als unter dem raschelnden Papier großzügig mit Puderzucker bestäubte Teigschichten zum Vorschein kommen, wechselt mein Herz von Adagio auf Allegro. (…) Während der zarte Fächer unter meinen Zähnen nachgibt und darunter die üppig-cremige Vanille-Fülle in seinem Inneren zum Vorschein kommt, überkommt mich eine vertraute Euphorie, die sich seit einiger Zeit rar gemacht hatte.“

Desserteuphorie Deluxe!

Blick auf Amalfi
Eine Sfogliatella im Monastero Santa Rosa

Grün, grün, grün sind alle meine Sterne

Seit vergangenem Jahr vergibt der Guide Michelin einen Grünen Stern für besonders nachhaltige Restaurants. Leider sind die Vergabekriterien recht undurchsichtig. Einer, der sich trotzdem darüber freut, ist Nicola Fanetti, Besitzer und Chefkoch des Brace. Für die Welt am Sonntag habe ich den Norditaliener in Kopenhagen besucht.

… und dort eines der großartigsten Gerichte des Jahres serviert bekommen, ein Pistazienparfait mit getrockneten Stachelbeeren und Kaviar vom weißen Stör.

Waffel mit Creme von weißen Pfifferlingen und Gersten-Koji-Puder
Mein Teller des Jahres: Pistazienparfait mit getrockneten Stachelbeeren und Kaviar vom weißen Stör

Selleriekebap und Büffelmilchayran

Dass türkische Küche so viel mehr kann als Döner, wusste ich bereits von früheren Istanbulreisen. Dank Fatih Tutak habe ich noch mal einen ganz anderen Einblick bekommen. Viele der im Turk servierten Gerichte sind mir in Erinnerung geblieben, allen voran eine Schüssel voll flaumigem Kartoffelpüree, bedeckt von im Mund schmelzenden Zwiebeln, Kampot-Pfeffer und Zwiebel-Tarhana und ein Selleriedöner mit Knoblauchjoghurt und einer weihnachtlichen Tarhana-Sauce. Dazu passte ein herrlich sahniger Büffelmilchayran. Mein Porträt über den 36-jährigen Koch ist in der Welt am Sonntag erschienen.

Mini-Fischsandwich
Selleriedöner mit Knoblauchjoghurt und einer weihnachtlichen Tarhana-Sauce
Gegrillter Fisch mit Rucolaschwanz und Dolman-Creme

Einmal ois im Mühlviertel

Ois – für Nichtösterreicherinnen alles – heißt Philip Rachingers Restaurant im Mühltalhof, einem kuscheligen Hotel im unweit von Linz gelegenen Mühlviertel. “Der Name ist purer Zufall”, so der Anfangdreißigjährige. „Erst dachten wir an ‚Powidl‘, dann hatte unsere Grafikerin ihre Präsentation mit ‚Einmal Ois‘ übertitelt, ‚einmal alles‘, das fanden wir super.“ Für Die Welt am Sonntag habe ich mit ihm über Kochen, Golfen und zwischen Zedernholz garenden Saibling gesprochen.

State of mind: Nebensaison

Am besten hat Nikos Tsepetis der Kaiserschmarren im Gasthaus Ubl geschmeckt. Begeistert zeigt der 52-Jährige die Handyfotos seiner wenige Wochen zurückliegenden Wienreise vor. Offizieller Anlass war die Ausstellung eines Freundes im MAK, inoffizieller eine gastronomische Recherche. Es ist nämlich so: Tsepetis, ein über zwei Meter großer Mann mit glattrasiertem Schädel und einer Vorliebe für Tennisschuhe und rosa T-Shirts, liebt Süßes, und möchte auf die bestmögliche Ware zurückgreifen können. Gut für die Gäste des Ammos, einem im Nordwesten Kretas gelegenen Hotel mit jenen schlagobersweißen Fassaden und meerblauen Fliesen, die Mitteleuropäer so treffsicher mit einem Griechenlandurlaub verbinden.

Für den Standard habe ich auf Kreta ein paar herrliche Nebensaisontage verbracht. Neben dem Hotel Ammos gehörte die Begegnung mit der Künstlerin und Weingutsbetreiberin Alexandra Manousakis zu meinen Highlights.

Biáng Biáng, Klatsch Klatsch

Echt wahr: Das Chinesische kennt ein eigenes Wort für dieses satte Klatschen, das bis auf den Prenzlauer-Berg-Bürgersteig zu hören ist. Biáng Biáng heißt auch jene Nudelsorte, die im Wen Cheng in der Schüssel landet, einem neuen Berliner Hotspot für handgezogene Nudeln. Für den Tagesspiegel habe ich mit dem Betreiber Rui Gao über das Dorf seiner Mutter gesprochen, die Expertise seines eigens aus China eingeflogenen Nudelmeisters und jene Sichuanpfefferschärfe, die im Extremfall Stunden – oder sogar Tage, kein Scherz – hinterher noch für Gaumenhalligalli sorgt.

Cheers to us

Kennengelernt habe ich Isabella Steiner im Rahmen eines Zeit-Online-Texts über den Dry January. Gleich beim ersten gemeinsam am Paul-Lincke-Ufer verzehrten Mandelcroissant hat es klick gemacht. Seither bin ich Fan von Nüchtern Berlin, einem alkoholfreien Onlineshop, der zugleich Plattform ist für Ideen rund um ein nüchternes Leben.

Jetzt ist bei Knesebeck das entsprechende Buch erschienen: “Mindful Drinking. Nüchtern, happy, katerfrei – mit Genuss zum gesunden Maß”. Neben anderen tollen Frauen wie Nicole Klauß, Madeleine Alizadeh und Natascha Wegelin bin auch ich mit einem Mini-Interview vertreten.

(Das Foto hat Antony Sojka gemacht.)

“Mindful Drinking. Nüchtern, happy, katerfrei – mit Genuss zum gesunden Maß”

Mein erstes Buch

Von Daniel Schreibers “Nüchtern” über Holly Whitakers “Quit like a Woman” und Caroline Knapps “Drinking. A Love Story” bis hin zu Kristi Coulters “Klar im Kopf” und Ruby Warringtons “Sober Curious” – meine letzten Monate waren von Quit Lit bestimmt, wie das Genre des autobiografischen Trinkerinnenschreibens heißt. Irgendwann war für mich klar, dass auch ich einen Beitrag dazu leisten will. Und so saß ich den Sommer über an meinem Wiener Eiermann-Tisch (danke, Flo) und habe mich schreibend an die vergangenen 32 Jahre erinnert.

Mein erstes Buch heißt “Unabhängig. Vom Trinken und Loslassen” und erscheint im Frühjahr 2022 bei Harper Collins.

Habe ich die alle gelesen? Ja, und noch ein paar mehr

Die fettarmen Jahre sind vorbei

Zu Butter hatte ich immer schon ein besonderes Verhältnis. Angefangen von der großen Schüssel Butternudeln-al-dente, die ich als Kind auf dem Schoß meines Papas genoss, über die dick mit Butter bestrichenen schwäbischen Seelen meiner Schulzeit bis hin zu meiner heutigen, ich möchte fast sagen: Obsession, die ich zum Beispiel mit meinem Freund Julian auslebe. Kein Wunder also, dass mein WELT-Redakteur fragte, ob ich mal was über Butter schreiben wolle. Fettes Ja!

Burrata-Croissant-Liebe

Dass niemand früher auf die Idee gekommen ist! Ein Sauerteigcroissant mit einer ganzen Burratakugel, auf die sich Kaffeeschalensirup ergießt wie ein Sommerregen. Fett, Sahne, Zucker, Knusper, so einfach kann es sein. Schnell wurde dieser Teller zum Instagram-Hit und zum Signature Breakfast Dish eines erst wenige Wochen alten Lokals.

Café Frieda heißt das Lokal in Berlin Prenzlauer Berg, und ich war schon beim ersten Besuch begeistert, ganz im Gegensatz zu meinem Berliner-Zeitungs-Redakteur. Meine Widerrede zu seinem Verriss steht hier. Besonders gefreut habe ich mich auch über den Support von Per von Berlin Food Storys.

Wenn es nach Per Meurling ginge…

Ein Österreicher in Wien

Fisch im Dessert? Kurz dachte ich mit Schrecken an die Seafood-Desserts im Noma, bis mich Sebastian Franks letzter Menügang eines Besseren belehrte: schwarz geröstete Karotten, bedeckt von Sauerrahmeis, getoppt mit Flusskrebskaramell. Erde, Wasser und ein Stück vom Eiscremehimmel, dazu Karottensaft mit Estragon und Wacholder. Die alkoholfreie Begleitung im Horváth kann nämlich auch ganz schön was. Meine begeisterte Kritik über das von einem Exil-Wiener geführte Zwei-Sterne-Restaurant steht in der Berliner Zeitung.

Pilzleber, Butterstriezel, Marillenkernölbutter im Restaurant Horváth

Kraut & Liebe

Auch schon wieder zwei Jahre her, dass Florian Reimann und ich Susann Probst und Yannic Schon von Krautkopf in ihrem mecklenburgischen Traum von einem Landhaus besuchten. Jetzt haben die beiden ein neues Kochbuch herausgegeben, anlässlich dessen mein Interview im Salon Magazin erschienen ist. Meine Lieblingsrezepte in „Erde, Salz & Glut“: Waldheidelbeerkuchen mit Joghurt und Thymian und gebackene Beeren mit Quarkklößchen.

Salon Magazin 28/2021

Von Brooklyn an den Berg

Mein Sommerurlaub dieses Jahr war gar kein richtiger, sondern eine Recherchereise zur Roten Wand, einem Feel-Good-Hotel in Lech am Arlberg. Seien wir ehrlich: Wie Arbeit hat sich das nicht angefühlt. Zum einen lag das an der Gastfreundschaft der Familie Walch, dem guten Wetter und den Bergen. Zum anderen an Max Natmessnigs Kochkünsten, die ich in Form seines Chef’s Tables kennenlernen durfte, woraus ein Artikel für die Welt am Sonntag entstand. Ein Niederösterreicher, der ohne Ausbildung erst im Steirereck, dann im New Yorker Chef’s Table at Brooklyn Fare und schließlich in der Wintersportprovinz kocht – ziemlich gute Story.

Im Foyer der Roten Wand
Vorarlberg

Welt am Sonntag vom 22. August 2021

So weit, so Wurst

Viele machen sich nicht mal die Mühe der eigenen Saucenherstellung. Stattdessen: Ketchupflasche kopfüber jehalten, Currypulver rüberjekippt, Plastikgabel rinne, Mahlzeit! Als für den deutschen Magen unerlässliche Sättigungsbeilage werden Pommes mit Mayo (“Mantaplatte”) oder Rot-Weiß (“Pommes-Schranke”), ungetoastetes Toastbrot oder geschmacksneutrale Semmeln gereicht, in Berlin sagt man Schrippen. Und Bier, viel Bier.

Mein Beitrag zur Bundestagswahl: ein Standard-Artikel über Currywurst. Leider haben die Österreicherinnen und Österreicher leider keine allzu hohe Meinung von der deutschen Kulinarik. Wenn damit ein darmloses Etwas in Currypampe gemeint ist, muss ich ihnen recht geben.

Drauf ohne Drübersein

Ein großer Spaß, mit Billy Wagner über das stilvolle Nüchtersein zu diskutieren, so geschehen an einem milden Juniabend auf dem Dach des Berliner Aufbauhauses. Dort veranstaltet das Nobelhart & Schmutzig sein Sommer-Pop-Up, das ich für die Berliner Zeitung bespreche. So viel spannender als Wein war deren Erdbeerkombucha, der Joghurt-Sahne-Ayran vom Erdhof Seewalde oder jener Quittensaft von Stefan Vetter, in dem über Nacht geröstetes Heu mazeriert wurde. Offiziell wird es im normalen Restaurantbetrieb nur eine abgespeckte Version der alkoholfreien Begleitung geben – aber vielleicht überlegt der Billy sich das ja noch mal.

Berliner Zeitung vom 24. Juli 2021

Frühstück rund um die Uhr (fast)

Berlin hat eine neue Frühstückssensation, Nähe Kurfürstenstrich. Im Frühstück 3000 gibt es Hummer-Brioche und Schwarzwälder-Kirsch-French-Toast und Erbsenkrapfen mit Blattsalat. Mein Freund Holger und ich bestellten so viel, dass sich der Service ernsthaft Sorgen machte, wo das alles hinsolle. In unseren Bauch natürlich, und nur ein kleiner Rest in den Doggy Bag. Wie es geschmeckt hat, habe ich für die Berliner Zeitung aufgeschrieben.

Brotpudding

Schickilacki essen gehen

Der Ausdruck schickilacki gehörte bislang nicht zu meinem Wortschatz, aber danke dafür! Ausgedacht hat ihn sich die Berliner Zeitung, als Überschrift für meine Kritik des Irma la Douce. Von deren Bouillabaisse träume ich heute noch.

Hummer mit Sorbet von der gegrillten Wassermelone mit Kichererbsen und Kimchi

Ich HASSE den Berliner Wohnungsmarkt so sehr

“Manchmal schien das Ziel greifbar nah. Unser kettenrauchender Hausmeister versprach, mir eine Liste der in Kürze zu vermietenden Objekte zu schicken, auf die ich bis heute warte. Mein Freund J. (ein Zimmer mit Terrasse am Paul-Lincke-Ufer, 360 Euro warm) hatte den Auszug seiner Nachbarin beobachtet, woraufhin ich der Hausverwaltung mit dem Namen, der für mich immer wie Aktivkohle klang, schrieb und prompt eine Antwort erhielt: Für knapp 300 000 Euro könne ich das Objekt gerne käuflich erwerben. “

Ein Jahr Wohnungssuche in Berlin, ein Jahr in der Vorhölle. Vorbei war die Zeit der Open-House-Sammeltermine, wo arme Seelen bis in die übernächste Querstraße anstanden, um sich Stunden später gemeinsam mit einer bayerischen Kleinstadt durch die leider nicht mehr einwandfrei schließbaren Flügeltüren zu quetschen. Jetzt in der Pandemie wurden nur Einzeltermine vergeben, nur halt nicht für mich.

Für die Berliner Zeitung habe ich aufgeschrieben, wie ich beinahe nach Lichterfelde West gezogen wäre oder zurück in mein schwäbisches Dorf.

Am Katzentisch

„Wir hoffen Sie bald in unserem Restaurant begrüßen zu dürfen. Idealerweise zu zweit.“ Restaurants, die solche E-Mails versenden, haben nicht verstanden, wie wohltuend das Alleineessen sein kann. Ich schon, und es steht im A la Carte Magazin.

Sober Culture made in Germany

“Alkoholfrei deluxe, in Berlin, ausgerechnet? Jener Stadt, die eigentlich berühmt ist für ihr sperrstundenfreies Nachtleben mit dem Berghain als ‘härteste Tür der Welt’? Ja, es gibt diese Welt, und es wird sie gewiss auch nach Ende der Corona-Epidemie noch geben. Gleichzeitig zeichnet sich in Berlin eine frühzeitige Entwicklung ab, das zunehmende Interesse an Low- und No-Spirits. Wie immer, wenn es um Trends geht, liegt die deutsche Hauptstadt landesweit vorn.”

Wie weit, das habe ich für das amerikanische Trink Magazine aufgeschrieben.

Schluss mit der Weißwurstparade

Es ist schon seltsam, dass die Spitzenküche so männlich geprägt ist. Milliarden von Frauen versorgen die Welt tagtäglich mit drei bis fünf Mahlzeiten, ohne besondere Würdigung. Sobald Essen von der reinen Nahrungsaufnahme zur Kunst sublimiert wird, verwirklichen sich fast ausschließlich Männer am Pacojet. Warum es Zeit ist, die am stärksten von Diskriminierung am Arbeitsplatz betroffene Branche umzustürzen wie einen Gugelhupf, habe ich für A la Carte aufgeschrieben.

Für Blumen bitte klopfen

Kurz vor ihrem südlichen Ende überrumpelt einen die Berliner Hermannstraße mit makelloser Schönheit. Ein Backsteingebäude, unschwer als Kirche zu erkennen, daneben ein hingeducktes Eckhäuschen mit vielleicht zehn Quadratmetern Grundfläche. Es braucht kein Panzerglas, aber doch eine stabile Fensterfront, um die wie Kunstinstallationen aufgereihten Schnittblumen vor weggeschnippten Kippen und Wegbierflaschen zu beschützen. Neben einem geöffneten Fenster steht ein Schild: „Für Blumen bitte klopfen.“ 

Da, wo Berlin am hässlichsten ist, wartet die Schönheit. Für die Berliner Zeitung habe ich mir bei Studio Linné eine Portion Frühlingsgefühle abgeholt.